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Jahresausblick Indizes 2017

Ein spannendes Jahr liegt hinter uns und ein weiteres klopft bereits an die Tür. Daher ist es nun mal an der Zeit sich vor Augen zu halten, was auf Europa in 2017 zukommt. Dabei werfen wir selbstverständlich auch mal einen Blick auf die Charttechnik, um hier nicht zur Glaskugel greifen zu müssen 😉


Ich denke ich muss Ihnen nicht erzählen was hinter uns liegt, sie waren alle live dabei. Ob Brexit, US-Wahl, Italien-Referendum,  die Deutsche Bank im Kampf ums überleben, der Putsch in der Türkei und Erdogans neues Soloalbum, Anschlag über Anschlag, der Kampf gegen den IS und vielmehr der Irsinn in Syrien, Flüchtlinge über Flüchtlinge oder einfach nur die Trennung von Pietro und Sahra Lombardi. Langweilig wurde der Presse keineswegs.

Das Jahr 2017 beginnt nun gleich wieder mit voller Fahrt, damit uns gar nicht erst langweilig wird. So übernimmt Malta zum 01. Januar die EU-Ratspräsidentschaft und Österreich die der OSZE. Nur wenige Tage später dürften alle Blicken auf die Lippen bzw. die Tweets von Donald Trump gerichtet sein, der zum 20. Januar sein Amt antritt. Trump auf Twitter zu folgen, könnte sich als ergänzender Indikator neben einem MACD, RSI oder einer Stochastik schnell bezahlt machen. Bisher führten seine Äußerungen nicht selten zu zweistelligen Bewegungen in Einzelwerten oder gleich in ganzen Branchen. Unter dem Motto: "Make America Great Again" schaffte es Trump die Wahl für sich zu gewinnen. Grundsätzlich lässt sich hier eine weltweite Tendenz erkennen. Allgemein als Schwenk zum Populismus bezeichnet, sehe ich hier eher die Tendenz zum Wunsch nach Macht, Überlegenheit, Stärke und dem persönlichen Wohlbefinden. Gegenläufige Strömungen die sich seit dem zweiten Weltkrieg stark ausbreiteten wie Solidarität, Frieden, Hilfe und Unterstützung verschwimmen dabei immer mehr in einem Unverständnis über die Not anderer. Ich könnte jetzt hier noch eine charttechnische Auswertung von Todesopfern durch Kampfhandlungen seit 1945 aufführen, aber ich denke das würde Sie nur massiv verstören, daher appellieren wir einfach an die Vernunft der Menschheit und hoffen, dass Trump in seiner politischen Unreife keinen Quatsch macht.


Charttechnisch verkörpert der S&P jedenfalls genau das, was ein Trump uns suggeriert. Stärke! Betrachtet man den S&P500 im Monatschart, so ist hier zweifelsfrei ein Bullenmarkt in Reinkultur ersichtlich. Das Spiel mit den Trends kennen Sie ja, im Zweifel folgen wir diesem bis zum Mond und noch viel weiter. Ein interessantes Kurslevel lässt sich bei 2334,45 ausmachen. Dies entspricht etwa dem 161iger Retracement der letzten Korrektur. Ein Erreichen dieses Retracements wird angesichts des intakten Aufwärtstrends favorisiert. Ein Abdrehen an der Marke gegen Ende des ersten Quartals 2017 halte ich für denkbar. Fakt ist, der amerikanische Markt startet in eine Übertreibung, diese Übertreibung sollte am Ende einen Trendbruch der Aufwärtsbewegung seit 2009 erwirken. Erfolgt kein Stop bei 2334,45 könnten Ziele der Übertreibung noch bei 2657 oder gar 3054 USD liegen.

S&P500 Analyse
Chartdarstellung: S&P500: MN1, blau= favorisierte Route, türkis = alternative Route)

Wie Sie aber wissen platzen Blasen erst, wenn Sie platzen und meistens erst an einem Punkt an dem es niemand mehr für möglich hält und auch der letzte dann bereit ist das Crashrisiko einmal zu vergessen, weil die Gewinne nahezu "garantiert" erscheinen. Die Frage, ob Trump seine Amerikaner mit überzogenen Hoffnungen, Bemühungen und sicherlich auch Taten nicht volle Fahrt gegen die Wand steuert, ist daher durchaus berechtigt. Fakt ist aber auch, bevor der Markt nicht dreht sollte man sich brav mit der Übertreibung positionieren.


Bereits im April werden wir dann erneut auf die Probe gestellt. Am 23. April 2017 wird in der sechstgrößten Wirtschaftsmacht auf der Welt (nach BIP) gewählt. Auch wenn die Tendenzen momentan in Frankreich wieder weg von Marie Le Pen und ihrer Front National gehen, ändert das nichts am Status des Landes. Von Reformen fehlt nach wie vor jede Spur und die Arbeitslosigkeit steigt von Monat zu Monat und das nun schon seit über 80 Monaten.

Auch der französische Leitindex spricht für die Geschichte einer geplagten Nation. Nun könnte man sagen, der Kakaron (Cac40) hätte mit dem Platzen der Dotcom-Blase (Zusammenbruch der TechnologieWerte um 2000) ordentlich auf die Nase bekommen und sich selbst 2007 in der Finanzkrise erneut stark abgeplagt. Im Jahre 2002 überführte Jacques Chirac den Französichen Franc zum Euro. Man kann daher genauso festhalten, dass alle die sich 2002 aus Investitionen in Frankreich zurückzogen, keinen Fehler begingen. Es scheint als sei der Chart und auch die Wirtschaft seitdem förmlich stehen geblieben. Betrachtet man nun den Chart des Kakaron auf Monatsebene, sehen wir ein ganz prägnantes Dreieck, dass wir nun zu sprengen drohen! Legt man nun den Grundsatz: "Der Chart schreibt die Geschichte." hier an, so wäre denkbar, dass sich Frankreich nun endlich mit der Wahl aus dem Elend erhebt. Solange Der CAC40 aber noch im Dreieck verharrt, ist der Trend seitwärts orientiert. Da wir uns in der oberen Range befinden, gar Seitwärts/Abwärts. Gelingt es dem Kakaron aber durch das Dreieck hindurch zu brechen, könnte dieser zu alter Stärke streben. Sie erinnern sich, da war doch was!? Der Fokus in 2017 liegt als ganz klar auf dem Bereich um 5090 Punkten. Kann sich der CAC40 darüber etablieren, wäre ein Ausbruch denkbar, der Potentiale bis 6100 und 6900 freilegen würde.

Cac40 Analyse
Chartdarstellung: CAC40 MN1, blau= favorisierte Route, türkis = alternative Route)

Eine EU-Austrittsdebatte halte ich dabei aber nicht für ausschlaggebend, eher mehr die Frage der Einstellung zu Reformen und ein Umdenken im Kopf. So machten kürzlich Straßen aus Solarmodulen "Made in France" die  Runde. Bravo, weiter so, liebe Franzosen! Ihr habt unglaubliche Potentiale, kommt aus eurer Starre heraus und schafft was! Hand in Hand mit Deutscheland! We make Europe great again! Aber ich schweife ab....


Während Frankreich meiner Meinung nach eine der Säulen der EU ist und auch immer bleiben wird, haben die von der Insel in 2016 endlich mal Geradlinigkeit bewiesen und das getan was schon längst überfällig war. Sind wir mal ehrlich. Die Briten waren noch nie in der EU und wurden auch nie als ein solcher Teil gesehen. Sie waren immer anders. Wollten gerne beides, die Vorteile aus dem einen und die aus dem anderen, ohne Kompromissbereitschaft an Nachteilen. Der eigene Stolz stand dabei stets an erster Stelle und nun kommt die Quittung für diese jahrelange Maskerade. Vom eigenen Stolz getrieben, hat die Bevölkerung nun für einen EU-Austritt gestimmt. Das hierbei alles gut ausgehen wird, bezweifle ich stark. Man wird hier ein Exempel statuieren und zeigen was ein bewusster Austritt aus einer Gemeinschaft  für Folgen haben kann. Man wird England seinen Stolz rauben, die Finanzindustrie die London so prägte, die ein ganzes Stadtbild schuf und prägte. Da die Engländer von ihrem Stolz nicht abrücken werden, wird der EU-Austritt die Engländer meiner Meinung nach teurer zu stehen kommen, als ihnen bewusst ist. Die drohende Parität zwischen Pfund und Dollar (könnte bis Ende 2017 erreicht werden) wird ihren Teil dazu beitragen. Während Theresa May versuchen wird das ganze so verträglich wie möglich zu gestalten, werden sich die eiserne Rauten-Lady und der rollende Herr von der Kasse von ihren starken Seiten zeigen. Auch wenn man ihnen in der Flüchtlingskrise vielleicht auch zu recht vorwirft, zu unbedacht und zu menschlich gehandelt zu haben, so zählt doch der internationale Vollzug nationaler Interessen durch eiserne Härte und Bedingungslosigkeit zu deren absoluten Stärken.

Der Futsie (FTSE100) zeigt sich seit dem Referendum allerdings angriffslustig. Er befindet sich wie der Kollege von der anderen Seite des Ärmelkanals seit der Währungsunion, auch wenn er nur indirekt betroffen war, in einer Seitwärtsbewegung. Genau diese Seitwärtsbewegung versucht er nun oberseitig aufzubrechen. Um abwanderndes Kapital zu verhindern, muss der Futsie hier auch wirklich Tempo machen. Durch den Währungseffekt verlieren Investoren ohnehin schon Kapital bei gleichbleibender Notierung. Würden diese Werte nun noch zu fallen beginnen, wären britische Titel sicherlich bei so einigen  auf der roten Liste, da sie unter Risikogesichtspunkten dann nicht mehr tragfähig wären. Aber solange der FTSE100 hier kein eindeutiges Trendwendesignal liefert, heißt es auch hier: "Im Zweifel mit dem Trend" und der wäre bei Verlassen der Seitwärtsrange eindeutig aufwärts gerichtet. Der Fokus liegt also hier auf 7130 Punkten. Favorisiert wird der Verbleib in der Range.

Ftse100 Analyse
Chartdarstellung: FTSE100 MN1, blau= favorisierte Route, türkis = alternative Route)

Zum Thema Rauten-Lady oder nicht Rauten-Lady bekommt das deutsche Volk im September dann die Gelegenheit über deren weiteren Verbleib abzustimmen. Die Bundestagswahl findet dann am 17. oder 24. September statt. Einen Vorgeschmack dürften bereits die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (7. Mai) und in Nordrhein-Westfalen (14. Mai) liefern. Die Wahl wird in Europa mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt werden. So ist doch Deutschland eines der wenigen Länder in Europa die noch Stabilität und Sicherheit (auch auf finanzieller Ebene) ausstrahlen. Als viertgrößte Wirschaftsmacht (nach BIP) weltweit und drittstärkste Exportnation weltweit stehen wir für Glanz und Wohlstand. Menschen riskieren ihr Leben um in einem Land wie dem unseren zu leben. Doch in Deutschland vergisst man ganz gern einmal, dass es nur eine handvoll Länder gibt, in denen es den Menschen noch besser geht als uns, wenn man das denn so quantifizieren kann. Eine handvoll Länder und aberhunderte denen es schlechter bis wesentlich schlechter geht. In denen Korruption, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch oder schlichtweg Bombenregen an der Tagesordnung stehen. Man meckert gern und schimpft über alles und jeden. Das Wertschätzen des Vorhandenen und scheinbar selbstverständlichen fällt den meisten extrem schwer. Das hat aber auch so seine Vorteile. So behalten wir die richtigen Ziele vor Augen und ruhen uns nicht auf dem Erfolg aus. Dennoch ist es von Wichtigkeit die Zielstellung, den Weg dahin und den Ausdruck von Ärger und Wut angemessen ins Verhältnis zu setzen.

So spiegelt auch der Dax charttechnisch das beschriebene Bild wieder. Die Ziele klar vor Augen strebt Dax erneut nach neuen Allzeithochs. Ich rate hier aber zur Vorsicht. Historisch gesehen, bedarf eine Abfolge von neuen Allzeithochs einer Korrektur die dem vorangegangenen Anstieg würdig ist. Dies spiegelt sich sowohl über die messbare Menge an Punkten als auch an der Dauer der Korrektur wieder. So lässt sich festhalten, dass Dax in der Regel mindestens eine Pause in dem Ausmaß des vorherigen Anstieges einlegt. Zieht man das nun hinzu, bleibt nur zu sagen: Korrektur nur in 2015 reicht hier nicht! Nun habe ich da meine favorisierte Route so einfach in den Chart gepinselt. So einfach muss es aber nicht zwingend werden. Wir sehen schließlich auch, dass Dax seinen primären Abwärtstrend gebrochen hat. Somit sind nach oben trendseitig keine Steine mehr im Weg. Das heißt, ein ATH ist auf Monatssicht zum greifen nahe! Somit gilt im Dax wie auch in den anderen Indizes, solange der Markt nach oben strebt, geht es im Zweifel weiter mit dem Trend. Setzt ein Trendwendesignal hingegen im besagten Bereich ein, könnten sich die charttechnischen Risiken in 2017 ordentlich austoben.

Dax Analyse
Chartdarstellung: Dax MN1, blau= favorisierte Route, türkis = alternative Route)

Neben den Wahlen in Frankreich und Deutschland, blickt man aber auch mit Neugierde nach Italien. Nach dem Rücktritt Renzi's wurde nun vorerst eine Übergangsregierung unter der Führung von Ministerpräsident Paolo Gentiloni vereidigt. Mit meiner Meinung, das Referendum von Italien und Renzis damit verbundenem Rücktritt hätte nur im entfernten Sinne etwas mit einem EU-Austritt Italiens zu tun und meinem Antritt dies somit als eher belanglos abzustempeln, durfte ich in den letzten Wochen harsche Kritik einstecken. Nun muss ich da sogar noch einen oben rauf setzen indem ich für 2017 Italien nahezu von meiner Agenda streiche. Ob Ihnen das gefällt oder nicht. Als Analyst bin ich unabhängig und schreibe was ich denke. Und ich denke die strauchelnde Monte dei Paschi wird relativ schmerzlos durch staatliche Maßnahmen am Überleben gehalten. Weiterhin werden die von allen Parteien geforderten Neuwahlen vermutlich bis Anfang 2018 ausgesessen, bis dann wieder eine reguläre Parlamentswahl ansteht. Von daher erachte ich das Risiko aus Italien eher gering und beschäftige mich erst wieder mit denen, wenn die Neuwahlen tatsächlich auch ausgeführt werden. Die Schuldenlast in Italien mag nicht schön sein, aber was haben Schulden in Europa denn überhaupt noch für einen Stellenwert? Man schiebt es einfach wie ein Häufchen Sand von der einen in die andere Ecke. Hauptsache der Euro verliert weiter an Wert. Was machen da schon 10 Mrd. mehr oder weniger die wir nach Griechenland schieben, wenn durch die Euroabwertung, die letztendlich mit durch unsere strauchelnden Kollegen da unten entsteht unsere eigene Schuldenlast, die momentan noch über 2 Billionen USD beträgt, um satte 60 Mrd. gedrückt werden kann?! So unschön der Zustand in Griechenland, Italien und Spanien ist. Aber was unsere Bilanz und Exportstärke angeht, sollten wir da lieber ganz schnell leise werden, da wir diejenigen sind die am meisten davon profitieren.

Griechenland wird in 2017 wohl wieder lauter trampeln und ggf. nun auch etwas bewegen. Der Schuldenschnitt steht schon lange im Raum. Man wird es anders nennen müssen, aber es am Ende funktional doch umsetzen. Und hier sehe ich Risiken, dass der Markt nicht weiß wie er auf die Kombination von Geldflut der EZB und Verbindlichkeitsauflösungen regieren soll. Griechenland und Großbritannien sind die Problemkinder, denen ich zutraue, 2017 in wildes Fahrgewässer zu stoßen, wenn nicht Trump den Tsunami direkt auslöst. Gewiss ist das nicht. Aber charttechnisch naheliegend und ein steigender Markt bei steigender Riskogesamtlage könnte unschöne Früchte tragen.

Insofern bleiben Sie gesund und achtsam in 2017!
Ach ja, was uns außerdem noch erwartet ist die Öffnung der unter Verschluss gehaltenen Akten zur Ermordung des US-Präsidenten Kennedy.

Liebe Grüße
DrMartin Kawumm

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